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Ich habe mich mal wieder als Autorin versucht

Artikel in Theaterzeitschrift 'Puppen Menschen und Objekte'

Für die Theaterzeitschrift 'Puppen Menschen und Objekte' habe ich einen vergleichenden Artikel über zwei Inszenierungen verfasst.

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Lektionen über Animation

Über zwei beeindruckende Inszenierungen auf den 37. Internationalen Puppentheatertagen Mistelbach in Österreich

Bei der Eröffnung der 37. Internationalen Puppentheatertage im Stadtsaal von Mistelbach am 20. Oktober 2015 kündigte Intendantin Cordula Nossek für die folgenden Tage 26 Theatergruppen aus 14 Ländern an und damit ein vielseitiges Programm für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Stolz berichtete sie, dass sie sich im heurigen Programm mit einer Europapremiere einen Traum erfüllt hätte: die Handspring Puppet Company aus Südafrika würde zum ersten Mal ihre Inszenierung ‚I love you when you are breathing‘ in einem europäischen Land spielen.

Die Handspring Puppet Company wurde 1981 von Adrian Kohler und Basil Jones in der südafrikanischen Hauptstadt Kapstadt gegründet. Seit über dreißig Jahren entwickeln und produzieren sie gemeinsam Puppentheaterproduktionen, die nach und nach in der ganzen Welt bekannt wurden. Die bekannteste Produktion ist aktuell wohl ‚War Horse‘ (deutscher Titel: ‚Gefährten‘).

Bisher hatte ich nur von den weit entfernten Größen der Figuren- und Puppentheaterszene gehört und gelesen. In Mistelbach hatte ich nun zum ersten Mal die Gelegenheit, eine Vorstellung der Handspring Puppet Company zu erleben.

‚I love you when you are breathing‘, Handspring Puppet Company (ZA)

Einige Tage nach der Eröffnungsveranstaltung, meine beiden Aufführungen von ‚Die Dicke – spielt Medea‘ lagen schon hinter mir, stand ich kurz vor 19:00 Uhr aufgeregt mit meiner Eintrittskarte in der Hand im Foyer des Stadtsaals.

'I love you when you are breathing', Handspring Puppet Company; Foto: Josef Schimmer

In der ersten Reihe sitzend ließ ich meinen Blick über die leere Bühne schweifen. Ich erblickte mittig sehr präsent einen Hocker. Dahinter eine große Leinwand mit dem Schriftzug ‚I love you when you are breathing – Handspring Puppet Company‘, die Übertitelung.

Das Saallicht erlosch und auf die Bühne trat, von zwei Puppenspielerinnen und einem -spieler manipuliert, eine aus Holz geschnitzte lebensgroße Puppe, ein Mann im grauen Anzug und schicken schwarzen Lederschuhen. Er setzte sich auf den Hocker und begann seinen Vortrag über das Leben als Puppe.

Ausgehend von dem Originaltext ‚I love you when you are breathing‘ von Basil Jones hat Regisseur Jason Potgieter eine Bühnenfassung für drei Puppenspieler geschaffen. Nach dem Prinzip der japanischen Führungstechnik ‚Bunraku‘ animieren die Puppenspielerinnen und der -spieler die realistisch wirkende Holzpuppe. Der Puppenspieler leiht dem Anzugträger seine Stimme und führt zusätzlich beim Gehen seine linke Hand. Die beiden Spielerinnen führen Beine und Arme der Puppe. Alle drei sind schwarz gekleidet und bleiben während der Animation weitestgehend neutral.

Die Puppe philosophiert über die Kunst der Animation, benutzt ihre Manipulatoren und stellt dem Publikum Fragen über das Leben.

‚What do you look for, when you go to see a piece of puppet theatre?‘
aus: ‚I love you when you are breathing‘, Handspring Puppet Company

'I love you when you are breathing', Handspring Puppet Company; Foto: Josef Schimmer

Im Zentrum des Vortrags steht, wie im Titel so treffend formuliert, das Atmen, die wichtigste Bewegung in der Animation einer Puppe. Bewegung ist alles – Bewegung ist Denken. Im Puppentheater kommt es auf die Bewegung an und nicht auf den Text. Ich will als Zuschauer die Bewegung der Puppe beobachten, ich will sie atmen sehen, erst dann entsteht der Zauber der Lebendigkeit von leblosem Material.

‚Making sure that the thing is breathing – all the time. And we say, in the moment the puppet stops breathing on stage is the moment the puppet dies.‘
Jason Potgieter, Regisseur, Handspring Puppet Company

Während der Vorstellung von ‚I love you when you are breathing‘ musste ich immer wieder an eine Inszenierung denken, die ich 2013 beim 18. Internationalen Figurentheaterfestival in Erlangen erleben durfte: ‚The Table‘ vom Blind Summit Theatre aus Großbritannien.

Thematisch greift das Ensemble des Blind Summit Theatres in der Inszenierung ‚The Table‘ ebenfalls die Kunst der Animation auf.
Allerdings loteten die drei Puppenspieler des Blind Summit Theatre die Grenzen der Animation innerhalb ihrer Vorstellung sehr weit aus. Bis dahin, dass die Puppe von den Spielern auf dem Tisch abgelegt, das heißt nicht mehr geführt wurde und trotzdem, durch die weiter genutzte Stimme und Sprache der Puppe, für mich als Zuschauerin lebendig blieb. In diesem Moment, der mir noch sehr präsent ist, kommentiert die Puppe durch ihren Stimm-Manipulator, was mit ihr geschieht.
Alle drei Puppenspieler blieben mit ihrem Blick bei der Puppe, der Fokus lag also weiterhin auf ihr und somit blieb die Spannung zwischen Spielern und Puppe bestehen.

Prinzipiell bestätige ich die Aussage von Jason Potgieter, dass die animierte Puppe immer atmen muss, denn in dem Moment, da sie auf der Bühne aufhört zu atmen, in diesem Moment stirbt sie, aber die Puppenspieler des Blind Summit Theatres haben mich in ihrer Vorstellung von ‚The Table‘ 2013 in Erlangen überzeugt, dass es auch anders möglich ist.

In ‚I love you when you are breathing‘ war die aus Holz geschnitzte Puppe, gebaut von Adrian Kohler, für mich die gesamte Zeit der Vorstellung lebendig. Der Zauber hat gewirkt. Die Puppenspielerinnen und -spieler aus Südafrika beherrschten die Kunst der Führungstechnik ‚Bunraku‘, die ein absolutes Zusammenspiel und das gemeinsame Atmen erfordert.

Leider war die Show nach 30 Minuten abrupt zu Ende, was mich sehr überraschte und auch etwas enttäuschte.

‚Puppen sterben besser‘, Florian Feisel (D)

Die Vorstellung der Handspring Puppet Company wurde auf den Internationalen Puppentheatertagen in Kombination mit der Lecture-Performance ‚Puppen sterben besser‘ von Florian Feisel aus Stuttgart angeboten. Thematisch haben die beiden Vorstellungen viel gemeinsam, allerdings ist die Herangehensweise an die Umsetzung der Thematik völlig unterschiedlich.

Ähnlich leer fand ich die Bühne vor Beginn der Lecture-Performance vom Zuschauerraum aus vor. Nur ein hölzerner Hocker auf der rechten Bühnenhälfte war für mich erkennbar.

Nach Cordula Nosseks rituellen Willkommens-Worten vor Beginn der Vorstellung trat das bekannte ‚Feisel-Krokodil‘ auf die Bühne. Aus dem Magen der Ganzkörperpuppe war für mich unverkennbar die Stimme von Florian Feisel zu hören. Sich aus dem aufgeklappten Maul schälend, begann der Puppenspieler mit seinem Vortrag über die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten des Figurentheaters.

'Puppen sterben besser'; Florian Feisel, Stuttgart; Foto: Josef Schimmer

Den inhaltlichen Einstieg schaffte er über den Unterschied der Begrifflichkeiten von Puppe und Figur. Mit einem Abdruck seines Unterarms aus Aquaplast und dem Bühnenvorhang führte er die Möglichkeit eine Figur zu kreieren vor. Im Unterschied zum fertig gestalteten Krokodil entsteht durch die Verbindung zweier Materialien – einem Plastikabdruck und einem Vorhang – für den Zuschauer im Moment die Figur und ist auch genauso schnell wieder verschwunden.

Danach animierte Feisel den Klassiker der Ausbildung an der Stuttgarter Hochschule – die Plastikfolie. Gefüllt mit Luft schwebte die Folie über der Bühne – die ‚weiße Frau aus Westdeutschland‘ betitelten die Zuschauer das schwebende Material und begannen so eine Geschichte zu spinnen. Blöd nur, dass Herr Feisel einen Grund brauchte, die Folie zu erschießen und diesen Grund vom Publikum nicht gleich geliefert bekam. Eine Touristin kann man nicht erschießen – aber Feisels Verhörer, eine Terroristin, schon. Ein lauter Schuss fällt und die ‚weiße Frau‘ beginnt zu sterben, ganz langsam und unglaublich zart.

'Puppen sterben besser'; Florian Feisel, Stuttgart; Foto: Josef Schimmer

Florian Feisel ließ noch weiteres Material, Objekte und Puppen für kurze Zeit auf der Bühne in Mistelbach lebendig werden. Er hauchte den zunächst leblosen Körpern Leben ein, ließ sie atmen, zum Teil sprechen, um sie dann auf ihre beste Art sterben zu lassen.
Der plappernde Tod, eine kleine Kopf-Schulter-Marionette mit klappbarem Gebiss, bat eine Zuschauerin auf die Bühne, die nach einem kurzen Würfelspiel die Aufgabe hatte nach und nach die Marionettenfäden durchzuschneiden.

Im Unterschied zur Inszenierung der Handspring Puppet Company wird in ‚Puppen sterben besser‘ alles aus der Sicht des animierenden Spielers berichtet – er zeigt, wie Figurentheater funktionieren kann.
Aus der Sicht der Puppe erzählt zu bekommen, worauf es bei der Animation seines Körpers ankommt, finde ich persönlich sympathischer.

Auch wenn es spannend ist, die vielen Möglichkeiten von Animation auf einmal zu erleben, war mir die sehr reduzierte Herangehensweise an die Thematik der Handspring Puppet Company in ‚I love you when you are breathing‘ eindringlicher. In der Inszenierung wurde eine klare Linie verfolgt. Als Zuschauer konnte man sich auf die eine animierte Puppe im Laufe der Vorstellung einlassen und konzentrieren. In ‚Puppen sterben besser‘ standen die einzelnen Themenabschnitte für sich. Mir fehlte da, dramaturgisch gesehen, der ‚rote Faden‘, der alle Sequenzen verbindet.

Alles in allem war dieser Freitagabend für mich ein lehrreicher und beindruckender.
Sich auf der Bühne mit dem, was Animation ausmacht auseinanderzusetzen, ist eine spannende Variante des „offenen Spiels“, die für den Zuschauer die Illusion offenlegt und ihn auffordert, über das, was er sieht, oder das, was er glaubt zu sehen, im Moment und darüber hinaus nachzudenken.

Figurenspielerin & Theaterpädagogin

Julia Raab

In Halle (Saale) bin ich seit 2013 zu Hause.

Im Atelier fiese8 arbeite ich an neuen Figurentheater-Produktionen, Lesungen, Figuren & Objekten.

Mit meinen Produktionen bin ich im In- und Ausland unterwegs auf Festivals und auf Gastspielreise.

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