Maskenspiel mit angehenden ErzieherInnen

2016

Im Rahmen der dreijährigen Ausbildung zur Erzieherin bzw. zum Erzieher an der Johanniter-Akademie Leipzig leitete ich ein zweiwöchiges Maskenprojekt - hier eine Beschreibung der zweiten Woche.

An der Johanniter-Akademie Leipzig arbeite ich nun seit anderthalb Jahren als Gastdozentin.

Ich vermittle Methoden der angewandten Theaterpädagogik im Bereich des Schauspiels und des Figurentheaters. Im Januar diesen Jahres hatte ich die Gelegenheit ein zweiwöchiges Theaterprojekt mit einer Klasse im zweiten Ausbildungsjahr der Erzieherausbildung zu leiten.

In der ersten Woche haben die 24 Schülerinnen und Schüler Masken gebaut und gestaltet. In der zweiten Woche konzentrierten wir uns auf das Spiel mit der Maske.

Im Folgenden könnt ihr den Bericht über die zweite Woche lesen.

Gruppenfoto: Kurs SP 03/14 der Johanniter-Akademie Leipzig

Zweite Woche: Maskenspiel

Nachdem die Schülerinnen und Schüler in der ersten Woche ihre individuellen Vollmasken modelliert, bemalt und gestaltet und sich teilweise Kostümteile überlegt und gestaltet hatten, trafen wir uns zu Beginn der zweiten Woche im Seminarraum, um die Vollmasken im Spiel auszuprobieren.

Körperliches Warm up

Beim Maskenspiel kommt es darauf an sich körperlich auszudrücken. Vor allem bei einer Vollmaske, da die Sprache hier vollkommen wegfällt.

Die ersten drei Tage haben wir morgens zunächst den Körper und den Geist erwärmt, um wach und bereit für die Impulse der Maske zu sein.
Über spielpraktische Übungen, wie z.B. Grimassen schneiden, Klatschkreis, Isolation, kommt die Gruppe zusammen, ein wichtiger Faktor um sich auf das gemeinsame Spiel einzulassen.

Szenenfoto 'GESICHTSLOS', Maskenspiel-Präsentation SP 03/14 der Johanniter-Akademie Leipzig

Einstieg ins Spiel mit der Maske

Der allererste Einstieg in die Maske überwältigte die meisten der Teilnehmenden, egal ob als Ausprobierender auf der Bühne oder als Zuschauender.

„Die Maske zeigt alles. Sie öffnet mehr als sie verbirgt, weil der Körper nie lügt. Als Zuschauer sehen wir instinktiv, was mit dem Maskenspieler los ist.[…]“

Michael Vogel, Familie Flöz

Bei einigen war durch die Maske plötzlich eine ungeahnte Präsenz auf der Bühne zu spüren, bei anderen zunächst eine große Unsicherheit. Für alle war es ein intensives Erlebnis, dass sie nachhaltig beschäftigt hat.

Ganz wichtig war das anschließende Reflektieren dieses ersten Versuchs mit Maske für diejenigen auf der Bühne. Die Zuschauenden hatten die Aufgabe ohne Wertung zu beschreiben, was sie gesehen haben und welche Veränderungen am Spieler bzw. an der Spielerin spürbar waren.

In weiteren Übungen haben die Auszubildenden eine Körperlichkeit für ihre Vollmaske gesucht, entwickelt und festgelegt. Nachdem jeder und jede eine gewisse Klarheit über die körperlichen Eigenschaften der Figur hatte, haben wir verschiedene Improvisationsformen ausprobiert, um die Masken miteinander ins Spiel zu bringen.

Szenenentwicklung

Nachdem verschiedene szenische Möglichkeiten ausprobiert wurden, besprachen wir welche Masken in einer Szene mit welcher szenischen Form aufeinander treffen könnten. Es bildeten sich Kleingruppen, in denen die angehenden Erzieherinnen und Erzieher die angelegten szenischen Ideen eigenständig umsetzten.

Jeweils zwei Kleingruppen haben in einem Raum gearbeitet und sich gegenseitig Kritik gegeben.

Es sind acht ganz unterschiedliche Szenen entstanden – ein Fischer der von zwei Meerwesen heimgesucht wird, ein kecker Troll der nichts unversucht lässt einen Lolli zu ergattern oder auch eine schräge Familie à la ‚Adams family‘, die sich zu einem Familienporträt zusammenfindet.

Plakat 'GESICHTSLOS', Präsentation 'Maskenspiel' der SP 03/14 der Johanniter-Akademie Leipzig

Präsentation

Am Freitag Vormittag, dem letzten Tag des Theaterprojekts haben wir zweimal die 30-minütige Präsentation ‚GESICHTSLOS‘ vor interessierten Klassen der Johanniter-Akademie aufgeführt. Die Szenencollage kam bei den Mitschülerinnen und Mitschülern, sowie bei Dozentinnen und Dozenten gut an.

Ich freue mich darauf im nächsten Jahr das Projekt mit einer weiteren Klasse zu wiederholen.

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